Kultur unter Kontrolle – die Rolle der Hamburger Kultur im Nationalsozialismus

Eine neue Ausstellung in der Hamburger Rathausdiele behandelt die Rolle der Hamburger Kulturpolitik während der NS-Zeit. Sie zeigt, wie Museen, Theater, Bücherhallen oder die Hochschule für Bildende Künste zwischen 1933 und 1945 gewirkt haben und stellt Biografien verfolgter Künstler:innen vor.

  • Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, Prof. Oliver von Wrochem, Vorstand der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen und die Kuratorin der Ausstellung, Gisela Ewe, haben heute im Rahmen der Landespressekonferenz die Ergebnisse des zweijährigen Forschungsprojekts über die Hamburger Kulturlandschaft im Nationalsozialismus vorgestellt, die Grundlage der Ausstellung sind. Die Ausstellung in der Diele des Hamburger Rathauses wird am 5. Februar mit einer Veranstaltung im Festsaal des Rathauses eröffnet. 

In Hamburg gab es vor 1933 ein vielfältiges Kulturleben: Museen zeigten moderne Kunst, Konzerte, Theater, Kinos und Tanzlokale boten ein breites Spektrum kultureller Angebote, die sich im Spannungsfeld politischer, sozialer und wirtschaftlicher Entwicklungen der Zeit entfalteten.

Nach der Machtübertragung durch die Nationalsozialisten 1933 wurde die Kultur systematisch gleichgeschaltet und fiel unter die Kontrolle der neu gegründeten Kulturverwaltung. Die Kulturpolitik wurde nach dem nationalsozialistischen Führerprinzip neu organisiert, demokratische Mitwirkungsstrukturen beseitigt und kulturelle Institutionen und Produktionen konsequent auf die ideologischen Vorgaben des Regimes ausgerichtet. 

Warum haben die Nationalsozialisten 1933 die Kulturverwaltung gegründet? Welche Funktionen hatte Kultur im nationalsozialistischen Hamburg? Die Ausstellung zeigt, wie Kultureinrichtungen sich anpassten, Teil der NS-Propagandamaschinerie wurden und bei Verfolgungsmaßnahmen mitwirkten. Auch berichtet sie über verdeckte Auflehnung und vereinzelten Widerstand.

Die neue Wanderausstellung der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen präsentiert die Ergebnisse eines zweijährigen Forschungsprojekts über die Hamburger Kulturlandschaft im Nationalsozialismus, finanziert durch die Behörde für Kultur und Medien Hamburg.

Zehn Hamburger Kulturreinrichtungen haben für die Ausstellung ihre Archive geöffnet und zusammen mit weiteren Forscher:innen einen Blick zurück in die eigene NS-Geschichte geworfen. Die Hamburgische Staatsoper, das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und die Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg haben die Ausstellungsentwicklung zudem als Kooperationspartner:innen unterstützt.

Die Ausstellung in der Diele des Rathauses ist Teil des Gedenkens der Hamburgischen Bürgerschaft an die Opfer des Nationalsozialismus um den Gedenktag am 27.Januar. Sie ist vom 5. Februar bis zum 10. März 2026 in der Diele des Hamburger Rathauses zu sehen, ergänzt von einem ausführlichen Begleitprogramm. 

Weitere Infos: www.gedenkstaetten-hamburg.de/de/aktuelles/news/kultur-unter-kontrolle 

Carola Veit, Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft: „Mit unseren Ausstellungen in der Diele des Rathauses erinnern wir in jedem Jahr an die Opfer des NS-Regimes und machen auf die unvergessenen Verbrechen an der Menschheit aufmerksam. In diesem Jahr widmen wir uns der Geschichte der Kulturinstitutionen, die nun von der Behörde für Kultur und Medien aufgearbeitet wurden. Ein Besuch im Rathaus in den kommenden Tagen zeigt eindrücklich: Wer die Freiheit der Kunst und der Presse infrage stellt, der richtet sich immer gegen das Volk. Hitler und Goebbels Bestrebung war es, Kultur und Medien nicht auszuhebeln, sondern die entstandene Lücke mit plumper Propaganda auszufüllen. Das ist das Ende für eine solidarische Gemeinschaft, denn Zusammenhalt und Demokratie werden getragen vom Diskurs, von Spannung und von Menschen, die Nachdenken und Dagegenhalten.“

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg: „Die Ausstellung ‚Kultur unter Kontrolle‘ zeigt, wie eng Kultur, Politik und Verwaltung in Hamburg während der NS-Zeit miteinander verwoben waren. Dass wir uns erst jetzt mit diesem Teil unserer Geschichte auseinandersetzen, macht deutlich, wie schwer sich lange auch staatliche Institutionen mit einer kritischen Betrachtung ihrer Vergangenheit getan haben. Dabei ist es dringend notwendig, dass wir uns bewusst machen, welche gesellschaftliche Bedeutung den Künsten zukommt und wie gefährlich ihre politische Instrumentalisierung ist. Die Ausstellung benennt Täter und macht Opfer der nationalsozialistischen Kulturpolitik sichtbar. Es liegt in unserer Verantwortung, die Vergangenheit aufzuarbeiten und dafür zu sorgen, dass die Freiheit der Künste und Kultur in Zukunft verteidigt wird und sie niemals wieder als politische Instrumente missbraucht werden.“ 

Prof. Oliver von Wrochem, Vorstand der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen: „Vielfalt und Freiheit in Kunst und Kultur sind nicht so selbstverständlich, wie sie uns heute erscheinen. Es ist erschreckend zu sehen, wie es dem NS-Regime gelang, das bunte Kulturleben der Weimarer Republik gleichzuschalten. Ich hoffe, dass der Blick zurück uns hilft zu verstehen, weshalb es wichtig ist, die Freiheit von Kunst und Kultur zu verteidigen und für den Schutz kultureller Vielfalt einzustehen.“

Am 5. Februar 2026 eröffnen Carola Veit, Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien, und Kuratorin Gisela Ewe, Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen, die Wanderausstellung „Kultur unter Kontrolle“. Bei der feierlichen Eröffnung im Hamburger Rathaus sprechen Arnold Weiß, Vorsitzender des Landesvereins der Sinti in Hamburg e. V. und stv. Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma sowie Hugo Franz, 2. Vorsitzender des Verbands der Sinti und Roma in Nordrhein-Westfalen.

Ausstellungseröffnung

Wann: Donnerstag, 5. Februar 2026, 19 Uhr
Wo: Hamburger Rathaus, Festsaal, Rathausmarkt 1, 20095 Hamburg

Im Anschluss findet ein Rundgang durch die Ausstellung in der Rathausdiele. 
Zu dieser Eröffnung laden wir Sie als Pressevertreter:innen herzlich ein. 
Wir bitten um Anmeldung via E-Mail an: presse@bk.hamburg.de 

Öffnungszeiten der Ausstellung:

Montag bis Freitag: 7–19 Uhr, Samstag: 10–18 Uhr, Sonntag: 10–17 Uhr

Besucherservice und Katalogverkauf

Montag bis Freitag: 10–18 Uhr, Samstag / Sonntag: 10–14 Uhr

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